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Lefkada
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Geschichte

HISTORISCHE BETRACHTUNG VON LEFKADA
Von Dimitris Tseres, Philologe


Lefkada ist die viertgrößte Insel im Ionischen Meer. Sie liegt gegenüber der Nordwestküste von Akarnania, von der sie eine flache Lagune und ein enger Seekanal trennen. Die Fläche beträgt 302,5 qm, und die heutige Einwohnerzahl beläuft sich auf ca. 23.000.
 
ANTIKE
Die Festung in Agia Mavra
„Lefkas petra” oder „Lefkas akra” wurde ursprünglich die südliche Spitze der Inseln, das heutige Lefkata, genannt. Lefkas wurde später die Stadt Nirikos genannt, die die Korinther gegen Ende des 7. Jh. gründeten, und schließlich erhielt die gesamte Insel diesen Namen. „Man hat Lefkada umbenannt, schreibt Stravon in seinen Geografischen Studien.
 
Aus dem Wort „Lefkas“ entstand der Nachname „Lefkatis“ und dann die strengere Form Lefkata, was bedeutete „der Eigentümer des Steins von Lefkada“, welcher Stein Apollon, dem Eigentümer der Landzunge, ausgehändigt wurde. Der antike Mythos, der in neueren Jahren in Europa bekannt wurde, erzählt, dass von dieser Landzunge Sappho ins Meer stürzte aufgrund ihrer verzweifelten Liebe zu Phaon.

Menschliche Spuren gehen bis ins frühsteinzeitliche Zeitalter zurück. Der bedeutende deutsche Archäologe W. Dörpfeld, Mitarbeiter von Erich Schliemann, stellte bei der Ausgrabung von Troja weit angelegte archäologische Forschungen in Nydri an, brachte bedeutende Funde aus der Kupferzeit (ca. 2.000 v. Chr.) zu Tage und formulierte die Theorie, dass Lefkada das homerische Ithaka ist.
Die erste Inselstadt was das prähistorische Nirikos, dessen Ruinen in Kalligoni auf der Spitze des Hügels „Koulmos“ entdeckt wurden. Sie war von einer hohen Mauer umgeben, von der bis heute ein kleiner Teil erhalten ist.

Die Landzunge Lefkata
Die Geschichte von Lefkada beginnt im 7. Jh. v. Chr., als sie bis zur Eroberung von den Römern korinthische Kolonie wurde, und ist politisch mit der Stadt Korinth verbunden, der sie bei allen wichtigen Ereignissen der Zeit folgte. der Seeschlacht von Salamina, der Schlacht von Plataia, dem Peloponnesischen Krieg als Mitstreiter der Spartaner, dem Feldzug von Alexander Gr.

Auf das letzte Quartal des 7. Jh. wird die Gründung der Stadt „Lefkas“ datiert, der Hauptstadt der Insel, die von „Koulmos“ bis zum Meer reichte und bis zum 5. oder 6. Jh. n. Chr. erhalten blieb. Im Hellenistischen Zeitalter tritt Lefkada dem „Akarnanischen Bund“ bei und wird sein Hauptsitz (272-167 v. Chr.). Obwohl 197 v. Chr. die Römer Lefkada eingenommen hatten, gestanden sie ihr eine gewisse Autonomie zu und, was das wichtigste ist, sie widerstanden dem Druck ihrer Alliierten, der Ätoler, Lefkada an sie abzutreten. Lefkada war ein strategischer Punkt im Ionischen Meer, und die Römer waren nicht bereit, sie ihren habgierigen Alliierten zu schenken. So blieb Lefkada weiterhin Hauptsitz des „Akarnanischen Bundes“.

Nach der Niederlage des Makedonischen Königs Perseas 168 v. Chr. haben die Römer im Rahmen ihres politischen Plans, den griechischen Raum nach und nach zu schwächen, Lefkada vom Akarnanischen Bund abgespaltet, wodurch die Insel bis 146 v. Chr. zu einem kleinen Stadtstaat wurde, der seine formale politische Autonomie unter römischer Verwaltung beibehielt. Folglich wurde Rom nach der Niederlage der Streitkräfte der Achaischen Staatenbundes bei Isthmos in Korinth absoluter Herr des griechischen Raums und regelte nach eigenem Ermessen die politischen Angelegenheiten.

Die Zeugnisse aus der Zeit sind rar gesät, aber es scheint, dass Lefkada in einen Niedergang gerät, der sich verstärkte durch Oktavians Entschluss, die neu gegründete Stadt Nikopoli mit Bewohnern benachbarter Regionen zu besiedeln.

Während der Römerzeit wird die antike Stadtmauer wieder errichtet, und es wird vermutet, dass eine 700 m lange Steinbrücke gebaut wurde, die die Stadt Lefkada mit Akarnania bei „Rouga“ verband, deren Ruinen bei den Ausgrabungen des neuen Kanals um 1900 entdeckt wurden.
 
DIE BYZANTINISCHEN JAHRE
In den byzantinischen Jahren war Lefkada Teil des Byzantinischen Kaiserreichs. Nach der Spaltung des Staats (395 n. Chr.) wurde sie dem Östlichen Staat zugeordnet und war weiterhin verwaltungstechnisch mit Hepeirus verbunden. Seit dem Zeitalter des Heraklios, als die Institution der Themen eingeführt wurde, wurde Lefkada vermutlich dem Thema von Kefallinia zugeordnet.

In der postbyzantinischen Epoche (1204-1294 n. Chr.) war Lefkada Teil des Despotats Hepeirus. Ihre mittelalterliche Hauptstadt, eine arme Kleinstadt, wurde ebenfalls auf dem Hügel „Koulmos“ gebaut, auf den Ruinen der antiken Stadt, die im 6. Jh. n. Chr. nach tausendjährigem Bestehen vermutlich von einem Erdbeben zerstört wurde. Die neue Hauptstadt bestand bis zum 12. Jh. Die Quellenforschung zeigt, dass die Stadt zu dieser Zeit verödet. Es ist kein Zufall, dass in dem langen Erlass aus dem Jahr 1355, mit dem Valteros Vryennios das Despotat Agia Mavra an Gratianos Tzortzis abtrat, keinerlei Verweis auf eine andere Festung als die von Agia Mavra, d.h. der heutigen Festung, gemacht wird.
 
UNTER DEM ZEICHEN WESTLICHER HERRSCHAFTEN: ORSINI, ANDEGAVI, TOKKI
Wappen
der Grafen
Tokki
Vom 11. Jh. an fiel die Inselgruppe Eptanissa in die Herrschaft westlicher Eroberer, die sich Richtung Osten vorkämpften. Lefkada wurde, nachdem sie lange Zeit (1204-1294) Teil des Despotats Hepeirus war, 1924 als Mitgift an Ioannis Orsini abgetreten, Sohn des Grafen von Kefallinia, der den ersten Kern der Festung Agia Mavra bauen ließ, der bis heute vor dem Inseleingang steht. Im Jahr 1331 nahm der verstoßene Athener Graf Valteros Vryennios Lefkada ein und unterwarf sie den Andegavi von Neapel. Im Jahr 1355 trat Vryennios das Despotat Lefkada an seinen Vertrauten ab, den „Sponsor“ Gratianos Tzortzis aus Venedig, unter dessen Herrschaft 1357 ein Aufstand der Inselbauern ausbrach, die so genannte „Voukentra-Revolution“, die im 19. Jh. den Dichter Aristoteles Valaoritis inspirierte, das Werk „Photinos“ zu verfassen. Im Zeitraum 1362-1479 war Lefkada Teil des Reiches der Tokki. In diesem 14. Jh. Jahrhundert wurde die Hauptstadt, die nunmehr Agia Mavra hieß, ins Innere der Festung und in die beiden Bezirke östlich (Alli Meria) und westlich (Chora) der Festung verlagert.
 
OSMANISCHE HERRSCHAFT
 
Im Jahr 1479 wird Lefkada von den Osmanen eingenommen, um dann zwei Jahre (1502-1503) vorübergehend der venezianischen Herrschaft zu verfallen und anschließend wieder in osmanische Herrschaft überzugehen, die bis 1684 – insgesamt 203 Jahre - andauern sollte. In dieser Zeit wurde das Aquädukt mit seinen 360 Kammern gebaut, das die Festung (in der Hauptstadt Agia Mavra und ihren zwei Bezirken) mit Wasser versorgte, das durch die Lagune lief, und dessen Überreste links vom Weg in Richtung mobiler Brücke, die Lefkada mit Akarnania verbindet, zu sehen sind. Die Wasserleitung begann in Megali Vrysi (bis 1930 folgte die Wasserversorgung von Megali Vrysi ungefähr denselben Weg), führte durch die Hauptstraße der Siedlung Amaxiki (die mit der Hauptstraße der heutigen Stadt übereinstimmt, dem „Pazari“), und versorgte drei Brunnen, wovon bis heute „Kato Vrysi“ am rechten Bürgersteig der Hauptstraße der heutigen Stadt bekannt geblieben ist, nördlich des zentralen Platzes, in ca. 50 m Entfernung vom Ende der Straße am Strand.
 
VENEZIANISCHE HERRSCHAFT
 
Im Jahr 1684 wurde sie von den Venezianern eingenommen, die ihre Besatzung mit dem Frieden von Karlovitz (1699) ratifiziert wurde. Die Hauptstadt Agia Mavra wurde von Venezianern zu dem Ort verlagert, der damals „Amaxiki“ hieß. Ab diesem Jahr widerfährt Lefkada dasselbe politische Glück, das die anderen ionischen Inseln hatten. Unter der venezianischen Fahne erhielten die ionischen Inseln erstmals eine politische Einheit, obwohl die venezianische Herrschaft nicht auf allen Inseln gleich war. Die flexible venezianische Politik hat auf Eptanissa politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmen geschaffen, die auf den jeweils vorherrschenden regionalen Gegebenheiten angepasst waren: sie erkannte frühere Vorzüge an, adaptierte Institutionen und erlaubte regionale Autonomie und die Entstehung eines regionalen Adels. So sind Eptanissa nicht nur ähnlich infolge ihrer gemeinsamen politischen Entwicklung, sondern auch verschieden. Korfu und Kefallinia vertreten z.B. zwei völlig unterschiedliche staatliche Verwaltungssysteme. Auf Korfu war die Regierungsform von der deutlichen Präsenz des regionalen Adels geprägt, während in Kefallinia mehr das Volkselement zum Einfluss kam. Lefkada wird auf Grundlage der Konstituierenden Karte gemäß den „Vorzügen der Gemeinde Agia Lavra“ verwaltet, die Morosini 1684 eingeräumt hatte.

Die herrschende Klasse sind die Nobili, d.h. der Adel bzw. die „Herren“, Inhaber großen Grundbesitzes, die eine kleine Minderheit repräsentieren. Nur ihre Angehörigen haben Rechte (Cittadini). Nur 70 Familien gehören zunächst zu den Cittadini, doch schrittweise erwerben mehr Personen dieses Recht. Die zweite Klasse sind die Bürger: Händler, die in der Stadt ein Haus haben und nennenswertes Vermögen in der Ebene der Stadt, Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Apotheker – alle, die Signori und offiziell Notabili genannt werden. Sie haben keine politischen Rechte, doch sie genießen gesellschaftliches Ansehen. Es folgen die unteren Gesellschaftsschichten der zweiten Klasse: Kleine Grundbesitzer aus der Ebene der Stadt, die in der Stadt lebten, und manuell Arbeitende (Schreiner, Bauarbeiter, Leberfärber, Schlachter, Schneider, Schuhmacher, Seifenmacher etc.). Auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie standen die Kleinfischer, Beförderer und solche, die keine feste Arbeit hatten: die so genannten „Buranelli”. Einige Großgrundbesitzer leben auf dem Land, andere sind auch in der Stadt ansässig. Sie sind die „Herren” der Region, haben Beschützer aus den Herrenkreisen der Stadt und Pächter auf ihren Grundstücken. Zahlenmäßig überlegen ist die Schicht der freien kleinen Grundbesitzer, Landwirte und Viehzüchter außerhalb der Stadt. Sie haben ein außerordentlich schweres und ärmliches Leben und werden von den Herren und den Venezianern stark ausgebeutet. Ein viel kleinerer Teil sind die Pächter, die die Grundstücke der Großgrundbesitzer kultivieren. Insgesamt leben auf dem Land 80% der Bevölkerung.

Einige loben die Effektivität und Diplomatie des venezianischen Regierungssystems: Sie modernisierten das öffentliche Leben, gründeten Gerichte und stellten die Weichen für die Organisation der Verwaltungsbehörden. Dennoch war es ein oligarchisches System, dass die wirtschaftliche und politische Herrschaft einer Minderheit der Mehrheit aufzwang und somit soziale Ungleichheiten und Konflikte nährte.
 
ÜBERGANGSZEIT:DEMOKRATISCHE FRANZOSEN – RUSSENTÜRKEN – ABSOLUTISTISCHE FRANZOSEN
 
Im Jahr 1797 zerschlug Napoleon Bonaparte den Venezianischen Staat. Eptanissa folgen den Glück der Hauptstadt und gehen auf Grundlage des Abkommens Campo-Formio vollständig in den Besitz von Frankreich über. Die anfängliche Begeisterung und die Hoffnungen auf die Heimat der leidenschaftlichen Verkündungen über Freiheit weichen schnell und verwandeln sich in Unmut über die strengen wirtschaftlichen Maßnahmen der neuen Herrscher – Unmut, den denjenigen anstacheln, die gegenüber Frankreich und allem, was es symbolisierte, feindlich gegenüber stehen.

Die Präsenz der Französischen Demokraten erweist sich als kurzlebig. Ab Oktober 1798 beginnt das gegen Frankreich vereinigte Russischtürkische Heer, Eptanissa zu besetzen. Im April 1799 beschließen die Admiräle die Gründung des autonomen Staats Eptanissa mit Sitz in Korfu.

Mit dem Vertrag von Konstantinopel am 21. März 1800 zwischen Russland und dem Osmanischen Reich wird offiziell anerkannt, dass Eptanissa ein autonomer vereinigter Staat unter dem Schutz und dem Tribut der Hohen Pforte sind. Die offizielle Bezeichnung war „Republik der Sieben Ionischen Inseln“ (Repubblica delle Sette Isole Ionie), und sie wurde von den Prinzipalen und dem Adel regiert (principali e notabili): Dies ist der erste griechische Staat nach der Eroberung Griechenlands von den Römern 146 v. Chr. – der zwar nicht unabhängig ist, aber doch immerhin, formal und inhaltlich, semiautonom und dem Sultan tributpflichtig.

Erneut neue internationale Position und interne Regierungsform auf Eptanissa 1807: Mit dem Abkommen von Tilsit werden Eptanissa an das nunmehr absolutistische Frankreich Napoleons abgetreten und werden zu einer französischen Provinz, jedoch für einen sehr kurzen Zeitraum. Von 1809 bis 1914 werden Eptanissa nach und nach von den englischen Streitkräften eingenommen, zuletzt Korfu. Lefkada wurde 1810 erobert.
 
ENGLISCHE PROTEKTION
 
Im November 1815 werden die Ionischen Inseln durch das Pariser Abkommen zwischen Russland und England zu einem formal freien und abhängigen Staat unter dem Namen „Vereinter Staat der Ionischen Inseln“. Die Verfassung des neuen Staates wurde vom ersten Lord und Reformer Maitland auf einer zu diesem Zweck einberufenen Vollversammlung diktiert, eine unfreie Verfassung, die von einem autoritären Regierungsstil begleitet wurde, die Reaktionen und Aufstände hervorrief. Ein solcher Aufstand war der Bauernstreik auf Lefkada 1819, der mit besonderer Härte niedergeschlagen wurde.

Die Protektion hielt bis 1864 an. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass in dieser Zeit ein ernsthaftes staatliches Bildungssystem mit drei Lernstufen organisiert wurde, was das erste im griechischen Raum war. (In Lefkada wurde 1829 die „Weiterführende Schule Lefkada“ gegründet, d.h. das berühmte Gymnasium, dessen erster Direktor Athanasios Psalidas war). Die Protektion, zumeist autoritär und allgemein repressiv, ist manchmal gezwungen, ein demokratisches Gesicht zu zeigen, wie. z. B. mit den Reformen von Seaton Ende der 1840er und 50er Jahre. Schließlich gibt sie nach und akzeptiert den Willen des Ionischen Volkes nach Einheit, und im Gegenzug schafft sie es, einige außenpolitische Aspekte der griechischen Politik nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen.

Mit dem Abkommen vom 13. Juli 1863 zwischen England, Frankreich, Österreich und Dänemark wird Julius Glücksburg König von Griechenland, und Eptanissa werden an Griechenland abgetreten. Am 1. August wird das Abtretungsprotokoll unterzeichnet - unter der Voraussetzung, dass das 13. Ionische Parlament zustimmen wird, dass eigens zu diesem Zweck gegründet wird.

Auf der begeisterten Sitzung des 13. Parlaments am 5. Oktober 1863 wird die Wahlrede, die der Abgeordnete aus Lefkada, Aristoteles Valaoritis, abhält, mit Enthusiasmus aufgenommen. Mit den Abkommen vom 14.11.1863 und 17.05.1864 wird die Abtretung von Eptanissa an Griechenland ratifiziert. Am 21. März 1864 übergibt der Reformer Eric Storks an den Abgesandten der griechischen Regierung Th. Zaimis die Ionischen Inseln. Auf unserer Insel hatte sich an diesem Tage morgens eine Menschenmasse um die Festung von Agia Lavra versammelt. Um 6 in der Frühe bestieg die englische Wache in die Fregatte „Magissa“, und um 8 Uhr kamen der Metropolit Gregorios und der Präfekt Markos Tsarlampas. Nach diesbezüglichen Reden wurde die englische Flagge gesenkt, die Schlüssel wurden der griechischen Delegation übergeben, und die Engländer reisten ab. Anschließend hisste der Präfekt die griechische Flagge. 21 Kanonenschüsse von „Magissa“ begrüßten die blauweiße Flagge. Die Sonne über Lamia begrüßte den ersten Tag in Freiheit für Lefkada und alle Ionischen Inseln.

Während der Protektion besteht die gesellschaftliche Teilung in klar voneinander getrennten Klassen fort. Ein neuer interessanter Aspekt ist die Stärkung der bürgerlichen Klasse. Panos Rontogiannis präsentiert ein sehr allgemeines soziologisches zweiteiliges Schema: auf der einen die „Herren“, d.h. Großgrundbesitzer und deren Mitstreiter aus den obersten bürgerlichen Schichten, und auf der anderen Seite das „Volk“, das alle anderen gesellschaftlichen Schichten umfasste und dessen politische und kulturelle Leitung den Bürgern und vor allem den Intellektuellen obliegt. Grob wird die gesellschaftliche Teilung aus der Herrschaftszeit der Venezianer fortgeführt. Neu ist, dass gegen Ende der Protektion die Macht der Grundbesitzer und Herren gegenüber den neuen dynamischen bürgerlichen Schichten, die sich mit dem Handel beschäftigen, zu schrumpfen beginnt. Die Mehrheit der aufkommenden neuen Schichten sind die so genannten Händler/Grundbesitzer, die ab ca. 1850 ihren Höhepunkt erreichen. Interessant ist außerdem die Verbreitung der Schicht der verschiedenen Marktberufe, die das breite Spektrum der gewerblichen Aktivitäten decken und vermutlich die Mehrheit der Stadtbevölkerung darstellen, ihr Volkselement, „Popolo“. Zahlenmäßig erhöht sich auch die Schicht der „Angestellten“, ein sozialen Konstrukt, das gänzlich undefinierte Grenzen hat. Es gibt weiterhin Grundbesitzer auf dem Land, und die Bauern stellen weiterhin mit rund 80% den Großteil der ländlichen Bevölkerung.
 
NACH DER EINHEIT
 
Mit dem Parlamentserlass vom 11.12.1864 wurden Lefkada und Ithaka zur Präfektur Lefkada zusammengefasst, bestehend aus zwei Provinzen: Lefkada und Ithaka. Durch das Gesetz RMC aus dem Jahr 1866 wurde die Präfektur Lefkada aufgehoben, und die Insel wurde zur Provinz der Präfektur Korfu bis 1899. Durch Gesetz BXD vom 06.06.1899 wurde Lefkada erneut zusammen mit den Inseln Meganisi, Ithaka, Kalamos, Kastos zur Präfektur. Im Jahr 1909 wurde diese Präfektur erneut aufgehoben, und Lefkada wurde mit Meganisi zur Provinz Lefkada der Präfektur Korfu. Im Jahr 1945 wurden Lefkada und Meganisi zur Provinz Lefkada der Präfektur Preveza. Im Jahr 1946 wird die Präfektur Lefkada erneut konstituiert, die Lefkada, Ithaka und die kleineren Inseln Meganisi, Kalamos und Kastos umfasst. Die Präfektur ist bis heute so geblieben, mit dem Unterschied, dass Ithaka durch Gesetz 1976/12-1-1953 der Präfektur Kefallinia zugeordnet wurde.

Nebenbei bemerkt: Während der Besatzung gingen Lefkada und alle Ionischen Inseln über an die Italiener vom 01.05.1941 bis 11.09.1943, d.h. bis Italien den Pakt mit Deutschland einging, durch den die Insel an Deutschland überging. Die deutsche Besatzung endete am 12.09.1944. Der Widerstand der Einwohner von Lefkada gegen die Eroberer war mutig und gut organisiert, mit deutlicher Mitwirkung des völkischen Elements. Es folgte ein interner Konflikt während der Schlacht in Athen, bekannt als „Dekemvriana“, direkt im Anschluss eine turbulente politische Zeit und dann der Bürgerkrieg, der für unsere Insel besonders hart war. Um die Wunden zu schließen und die Menschen aufatmen zu lassen, waren viele Jahre und viele Bemühungen erforderlich.

Der Lefkada-Historiker Panos Rontogiannis führt wie für den vorigen Zeitraum ein allgemeines gesellschaftliches Schema auf: Auf der einen Seite die „Starken, und auf der anderen das „Volk“, das alle anderen Gesellschaftsschichten umfasste und dessen politische und kulturelle Leitung die gebildeten Bürger innehaben – trotz der politischen Veränderungen nach der Einheit, wie etwa das Wahlrecht an alle Männer. Versuchen wir einmal dieses allgemeine Schema zu spezifizieren:

Die Grundbesitzer-Herren existieren weiterhin, doch ihre Macht nimmt schrittweise ab, und sie sind gezwungen, Ehen mit Wohlhabenden einzugehen, d.h. mit Bürgern, Händlern und Grundbesitzern.

Die Bürger/Stadtbewohner gehen verstärkt hervor, und ihre Zahl steigt im Verlauf der Zeit an. Diese Gesellschaftsschicht ist besonders inhomogen: Sie umfasst Großhändler, Händler, viele Kleinhändler, die erwerbstätigen Wissenschaftler (Ärzte, Anwälte, Apotheker, Notare), Angestellte (zu denen auch Lehrer gehören), die große Gruppe der „unteren“ freien Berufe (Gepäckträger, Fischverkäufer, Kaffeeverkäufer, Barbiere, Fleischer, Schmiede, Schreiner, Lebensmittelverkäufer, Schneider, Bäcker etc.) – und ganz unten in der Pyramide war das verarmte gemeine Volk, die Buranelli. Die Großhändler und Händler/Grundbesitzer, eine aufsteigende gesellschaftliche Elite, beschäftigen sich mit verschiedenen wirtschaftlichen Geschäften (Seehandel, Finanzwesen etc.), erwerben große wirtschaftliche Macht, investieren in Immobilien aller Art (daher auch die Bezeichnung „Händler-Grundbesitzer“), schließen Ehen mit dem geschwächten Adel, steigen gesellschaftlich und politisch auf und werden zur stärksten Gesellschaftsgruppe. Laut Dimos Malasakis beginnt deren Verfall nach dem Ende des I. Weltkriegs. Die nächste gesellschaftliche Elite ist die „rein bürgerliche“ Klasse von Lefkada: Händler, Makler, Weiterverkäufer, Gewerbetreibende und Industrielle“, die die Entwicklung der Insel vorangetrieben haben. Die Turbulenzen des II. Weltkriegs bedeuten einerseits den Verfall auch dieser Elite und andererseits die Übersiedlung der Dorfbevölkerung in die Stadt, die mit den Überweisungen ihre emigrierten Verwandten das Vermögen der vorigen erwerben, die neue bürgerliche Handelsklasse der Stadt werden und die Zusammensetzung der Gesellschaft maßgeblich ändern.

Die Landwirte stellen weiterhin die große Masse der Bevölkerung, die noch immer und bis zu den ersten Nachkriegsjahren massiv von der jeweils herrschenden Elite ausgebeutet wird. Ab 1870 ist Wein das wichtigste landwirtschaftliche Produkt. Er ist sehr teuer, denn die Nachfrage ist groß aufgrund der vollständigen Katastrophe der Weinberge in Frankreich nach einem Reblausbefall. So verbreitete sich der Weinanbau auf der ganzen Insel. Im Jahr 1892 brach jedoch eine akute Weinkrise aus aufgrund des Nachfragerückgangs und der Zerstörung im Jahr 1900
der Weinberge von Lefkada infolge des Befalls von falschem Mehltau. Nunmehr wurde Olivenöl zum wichtigsten landwirtschaftlichen Produkt. Ergebnis der Krise war die große Abwanderung nach USA und Kanada. Die Kämpfe und die genossenschaftliche Organisation (TAOL/Fonds zur Krisenbewältigung und weitere primäre Genossenschaften werden gegründet) gewähren dem Weinanbau eine Atempause. Im Jahr 1935 bricht jedoch die unterschwellige Weinkrise massiv aus. In diesem belasteten Klima fand die bekannteste Kundgebung in der neueren lokalen Geschichte statt: Die Kundgebung der Weinbauern am 1.9 und 1.10.1935, die von der Polizei und dem Militär beendet wurde, was zum Tod von drei Demonstranten führte.

Nach dem Krieg hat sich die Zahl der Bauern auf unter 60% der Gesamtbevölkerung verringert - von 80% im 19. Jh. und in der 1. Hälfte des 20. Jh. Gleichzeitig aber steigt diese Gruppe wirtschaftlich wieder auf in einer Zeit, da der Tourismus zur „Schwerindustrie“ der Insel wird, so dass sich die rein landwirtschaftlichen Aktivitäten deutlich verringern. Auf dem ersten Blick kann man beispielsweise erkennen, dass sich die wirtschaftliche Lage der ländlichen Bevölkerung in den Küstenregionen (und nicht nur dort) im Vergleich zu den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts signifikant verbessert hat.

 

Schnellwaage Lefkada
400-330 v. Chr
Blick auf Lefkada von der Festung
Edward Lear, London 1863